Das Leitmotto, das ich mir auf die Fahne geschrieben habe, kommt vom Automobilhersteller Smart:


    Reduce to the max 


Diesen Werbeslogan fand ich zu Beginn meiner Tätigkeit eher unpassend. Mit zunehmender Kenntnisse (Fortbildungen etc.) stellte sich heraus, daß man mit sehr viel Ballast konfrontiert wird, der therapeutisch wenig - um es zunächst höflich zu formulieren - Nutzen hat.


Was war passiert? Eigentlich gar nichts und das war das enttäuschende. „Gar nichts“ heißt, daß ich in meinen Ausbildungen (Masseur, PT; HP) Dinge erlernen sollte, die sich schon nicht logisch aneinanderreihten, sodaß man in dieser Disziplin - obwohl sehr interessant - die Lust am Lernen verlor, weil der jeweilige Lehrende auf Nachfragen einem durch die Blume mitteilte, daß man ja nun schließlich am Anfang der Ausbildung stünde und sich das schon mit der zunehmenden Zeit alles sich logisch zusammenfügen würde. Dem konnte man erstmal nicht widersprechen. AM Ende der ersten Ausbildung war, wie bei vielen Kollegen, aber nichts zusammengefügt. Im Gegenteil die Fragen wurden immer mehr.


In der 2. Ausbildung (dazwischen lagen einige Jahre mit vielen Fort- und Weiterbildungen und dem glücklichen Umstand die Richtigen getroffen zu haben) eskalierte es so weit, daß Lehrende aus Büchern vorgelesen haben ohne es selbst verstanden zu haben, daß Lehrende Dinge behauptet haben, die sachlich falsch waren. Aber die Lehrenden bemühten sich nicht, sondern die Lernenden bekamen sehr deutlich mitgeteilt, daß man sich ja in der Prüfung wiedersähe.


Die HP-Ausbildung darf man so eigentlich nicht nennen, da es - so weit ich informiert bin - bis heute keine einheitliche Ausbildungsstruktur/-curriculum gibt.


Die Schüler tragen allerdings ebenfalls dazu bei: Mangelnde Disziplin, fehlender Respekt, geringe Motivation bzw. Interesse, schlechte Manieren sind nur einige der Dinge, die Lehrende zunehmend bemängeln.


Meist ist dies also nicht das Problem des Lernenden, sondern viel mehr der Lehrenden v.a. in den PT-Schulen und Bachelor-/Masterstudiengängen aller Richtungen, die keine Qualität abliefern. Der Lernende ist also darauf angewiesen, sich zu informieren.


Um Qualität abzuliefern brauchen man ein fundiertes Wissen in der Anatomie. Hier erleben wir leider auch im Unterricht wie schlecht sich die Schüler hierin auskennen. Viele kennen nicht die Basis, aber wie sollen sie dann entscheiden, was „gut“ und „richtig“ ist? Um Therapien später anwenden zu können, braucht man des Weiteren sehr gute Kenntnisse in Anatomie in vivo. Leider stellen wir hier fest, daß es sehr große Lücken gibt. Weitere Kenntnisbasisbausteine sind Physiologie, Pathophysiologie, Trainings- und Bindegewebslehre, Pharmakologie und Kenntnisse in bildgebenden Verfahren.


Denn während andere Fachdisziplinen es schaffen neue Erkenntnisse in die Arbeit zu integrieren und dafür ggf. altes Wissen über Bord werfen, ist dies der Physiotherapie absolut fremd. Oder wie erklären Sie sich , daß es Therapieformen gibt, die heute noch genauso unterrichtet werden wie vor 30 Jahren? Wie erklären Sie sich, daß es Methoden gibt, die nicht einmal den Grundsätzen der Wissenschaft standhalten? Wie erklären Sie sich, daß es Bachelor und Master gibt, die angeblich nach den Grundstrukturen der Wissenschaft „erzogen“ worden und daß ausgerechnet diese Gruppe die größten und meisten Fehler macht?


Und da sind wir dann beim traurigen Höhepunkt: Erklären Sie mir, warum Bachelor und/oder Master meinen sie müßten ihre Traumweltausbildung und ihr fundiertes Nichtwissen höher entlohnt bekommen als ein nicht studierter PT? Oder zahlen die Krankenkasse für die Studierten mehr? Wohl kaum!


Bei Prüfungen stellte in der Nachbesprechung der Orthopäde fest, daß es so nicht ginge und er sein Verordnungsverhalten gegenüber der PT überdenken werde


Und mit solchen Leistungen, müssen sich PT nicht wundern, daß es ärztliche Fachdisziplinen gibt, die sich zurecht mit Händen und Füßen dagegen wehren, daß wir wieder in den ärztlichen Stand gehoben werden bzw. daß es uns ermöglicht werden soll, daß ein Patient direkt zu uns kommt.


Diese Plattform soll helfen einen roten Faden im Fort- und Weiterbildungswirrwarr zu finden. Die Zukunft und der Patient will nur eines zurecht: Qualität. Wir versuchen u.a. dem politischen Willen (aller Verbände und aller Parteien) und immer wenig werdender Qualität in der Physiotherapie entgegen zu steuern.